
Geschichten, die das Leben schrieb
DasTelefonbuch ist nach wie vor eine Institution, wenn es darum geht, bestimmte Personen, Firmen oder Einrichtungen in einem definierten Raum zusammenzuführen. Auch Schriftsteller und Wissenschaftler nutzen DasTelefonbuch - sei es als Quelle zur Namensschöpfung oder Thema für Geschichten und Abhandlungen. Hier finden Sie unterhaltsame Literaturvorschläge rund um das bekannte Verzeichnis:
Gerhild H. M. Komander
Aus dem Klappentext: "Die Historikerin Gerhild H. M. Komander erläutert, wie das erste Telefon nach Berlin kam und wer die ersten 185 Telefonanschlüsse hatte. Warum das erste Telefonbuch im Volksmund 'Buch der 99 Narren' hieß und es sieben Jahre später in Berlin mehr Telefonanschlüsse gab als in jeder Stadt in den Vereinigten Staaten von Amerika."
"1881 - Berlins erstes Telefonbuch". - Berlin Story Verlag, Berlin 2006
David Wagner/Jörg Paulus
Aus einer Kritik der Welt vom 6.4.2002: "Aus Telefonbüchern kann man richtige Bücher machen. Wenn man die Nummern, die man so übers Leben gesammelt hat, mit Geschichten versieht. Richtig nette Bücher können das werden. Wobei man hinzufügen muss, dass sämtliche Telefonnummern in 'Wahlverwandtschaften' erfunden sind."
"Wahlverwandtschaften" - Aufbau-Verlag, Berlin 2002
Hartmut Jäckel
Aus der Kritik der Berliner Zeitung vom 9.12.2000: "Im zweiten Teil liefert Jäckel 250 Kurzbiografien von mehr oder minder prominenten Personen aus Politik, Kunst und Kultur. Darunter sind auch völlig unbekannte Berliner und Berlinerinnen wie Berl Coper oder Emma Gumz, deren Lebenswege Jäckel durch private Recherchen rekonstruiert hat - einfache 'Menschen in Berlin'".
"Menschen in Berlin. Das letzte Berliner Telefonbuch der alten Reichshauptstadt". - Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart/München 2000
Wolfgang Hildesheimer
"Sie ist sicher die dunkelste, aber auch die spannendste Telefonbuch-Episode in der Literatur: Der Moment, an dem der Ich-Erzähler schildert, wie er per Telefonbuch bei wildfremden Menschen bizzare Reaktionen auslöst."
"Tynset" - Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991
Die verlorenen Freundinnen aus Friedrichshain (eine wahre Begebenheit)
In Berlin finden die beiden Freundinnen Herta Krähenbring (Ost) und Friedel Krüger (West), die durch Krieg und Mauerbau voneinander getrennt waren, über das Telefonbuch wieder zueinander: 1926 gingen die beiden Mädchen in die gleiche Klasse der Mädchenschule am Prenzlauer Berg, zu Kriegsbeginn verlieren sie sich aus den Augen. Erst 1952 treffen sie einander wieder: "Ich träumte von Herta. Dann schaute ich ins Telefonbuch, suchte ihren Mädchennamen Blaga, hatte ihre Schwägerin am Apparat" , erzählt Friedel Krüger. "Jenen Tag im Sommer 1952 werde ich nie vergessen." Der Mauerbau trennt die Frauen erneut, doch die beiden halten den Kontakt aufrecht, und Friedel Krüger besucht Herta Krähenbring regelmäßig. Und als Herta 1980 Rentnerin wird, führt sie ihr erster Weg zur Freundin nach Berlin-Kladow. (Quelle: Berliner Kurier vom 12. August 2001)
Der Heimatforscher aus Berlin-Marzahn (eine wahre Begebenheit)
Karl-Heinz Gärtner ist Heimatforscher aus Passion und kennt die Geschichte des Ortsteils Biesdorf aus der Westentasche. Einen früheren Besitzer des Biesdorfer Schlosses, Baron Günther von Bützingslöwen, aber entdeckte Gärtner bei seinen Recherchen erst mit Hilfe des Telefonbuchs: "Ich habe das Berliner Telefonbuch gewälzt und alle dort gefundenen von Bültzingslöwen angerufen." Als die Suche erfolglos blieb, dehnte Gärtner sie auf ganz Deutschland aus. Über Thüringen und Bayern fand er so schließlich die in der Schweiz lebende Halbschwester des Adligen, die ihm nicht nur Fotos sondern auch Briefe übergab und seinen Wissensdurst so stillte. (Quelle: Berliner Zeitung, 27. Mai 2000)
Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weitere Romane, Gedicht- und Essaysammlungen sowie wissenschaftliche Abhandlungen, die sich im weiteren Sinne mit dem Telefonbuch beschäftigen (Liste auf Anfrage).
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